Anfang der 60er Jahre wurde seitens des Bundesinnenministerium des Innern, Beschaffungsstelle Bonn-Troisdorf ein Auftrag über eine große Anzahl an Katastrophenschutzfahrzeugen in Form von Tanklöschfahrzeugen TLF16 (LS), Löschgruppenfahrzeugen LF16-TS (LS) und Schlauchkraftwagen SKW (LS) erteilt. Das war die Geburtsstunde unseres Magirus-Mercur Fahrgestells (F Mercur 125A, Radstand: 3700mm), welches im Jahre 1962 auf die Räder gestellt und am 23. März 1963 zugelassen wurde. Die "Hochzeit" fand mit einem Luftgekühlten V6-Zylinder Dieselmotor mit 125 PS und 7412 ccm (F6L613) statt. Darauf wurde später ein Tanklöschfahrzeugaufbau der Firma Metz mit der Aufbaunummer 63-D8162a aufgesetzt. Ebenfalls von der Firma Metz wurde eine einstufige Kreiselpumpe des Typs FPM16/8 eingebaut, bevor das Fahrzeug mit der Bezeichnung TLF16 ZS (Zivilschutz) und 26.LS-FB-RWL (26. Luftschutz Feuerwehrbereitschaft Rheinland-Westfalen-Lippe) am 24. September 1963 an den Katastrophenschutz ausgeliefert wurde. Laut der Firma Metz wurden nur 75 Fahrzeuge in dieser Zusammensetzung gebaut. 

Entgegen der weitverbreiteten Ansicht, der Eckhauber wäre in der Katastrophenschutzfarbe "Saharabeige" ausgeliefert worden, konnte im Zuge der Restaurierung anhand der vorhandenen Lackschichten eindeutig geklärt werden, dass das Fahrzeug schon vom ersten Moment an  rot war.

Auf die Frage, wie kam das Fahrzeug nach Grevenbrück, ereignete sich die Geschichte folgendermaßen: Zu aller erst wurde das Fahrzeug Ende 1963 für kurze Zeit in Meggen stationiert, bis es nach Querelen am Jahresende 1964 wieder nach Olpe zurück geordert wurde. Nach einer Stadt- und Gemeindebrandmeistersitzung in Attendorn wurde auf der Rückfahrt unter Hugo Inninger (Amtsbrandmeister) und Franz Quinke (stellvertretender Amtsbrandmeister) darüber Unterredung gehalten, den zivilen Bevölkerungsschutz (ZB) auch im damaligen Amt Bilstein weiter  zu belassen. Franz Quinke hatte in diesem Zuge den Eckhauber schon quasi Welschen-Ennest zugesagt. Clemens Steinberg, der Fahrer dieser Runde dachte bei sich, wieso soll das Fahrzeug nach Welschen-Ennest, wenn es hier in Grevenbrück aus Sicht der zahlreichen Waldflächen und eventuellen Waldbrände mit Sicherheit genau so gut aufgehoben ist? Dieses ließ Clemens dann keine Ruhe, so dass er alsbald sich auf dem Weg zum Löschgruppenführer Josef Quinke machte und ihm den Sachverhalt noch einmal schilderte. Dieser erwiderte darauf, das könne er so nicht entscheiden, man solle dann gemeinsam zu Quinken Franz fahren und diese Situation noch einmal besprechen. Dieses wurde auch umgehend getan. Nach einer halben Stunde intensiven Einredens unterstützt vom Löschgruppenführer, wegen eben besagter, möglicher Waldbrände könne man das ZB-Fahrzeug hier vor Ort eben so gut einsetzen, entgegnete Franz Quinke: "Es ist schwierig, ein bereits mehr oder minder zugesagtes Fahrzeug wieder zurück zu fordern. Ich werde es mir überlegen!"

Kurz darauf wurde dann bekannt, dass das TLF nun doch der Feuerwehr Grevenbrück zugeteilt worden ist.

Bereits nach sehr kurzer Zeit, am 21. Februar 1965 fand sich das bis Dato in Olpe stehende Fahrzeug in Grevenbrück ein und wurde an die Grevenbrücker Feuerwehr mit dem Kennzeichen OE-8010 übergeben, nach dem mehrere Feuerwehrmänner sich bereit erklärten, den Doppeldienst für Feuerwehr und Bereitschaft zu übernehmen.

Von nun an verrichtete der Magirus 10-Tonner seinen Dienst beim Katastrophenschutz als auch in der Feuerwehr. In zahlreichen Einsätzen bewies das Fahrzeug sein Können und vor allem auch seine Notwendigkeit, denn die Zahl der Einsätze stieg stetig an.  

Ebenfalls nahm mit der Ankunft des neuen Tanklöschfahrzeuges auch die Übungsaktivität im Bereich des zivilen Bevölkerungsschutzes (Katastrophenschutzes) zu. Folglich kamen dann auch einige gemeinschaftliche Bereitschaftsfahrten des ZB-Zuges zustande.

Um einen Überblick über die Übungsaktivitäten mit dem neuen TLF zu schaffen, haben wir den ersten Übungsplan  der LG Grevenbrück von 1965 im PDF-Format eingefügt. 

Infolge dessen ereigneten sich auf den Fahrten auch so manche Anekdote.

So ergab sich zum Beispiel, dass bei künstlich herbeigeführten Überholmanövern sich gegenseitig ausgeholfen wurde, indem manche Verpflegung von Fahrzeug zu Fahrzeug wechselte. Ja, Ja, Kameradschaft wurde zu der Zeit sehr groß geschrieben und man kam sich entgegen, wo man nur konnte.

Katastrophenschutzfahrten hatten vor allem in der kalten Jahreszeit ihre Tücken. Nach einer anstrengenden Übungsfahrt machte man sich von Attendorn auf die Rückreise, bis man auf die Idee kam, man könne ja in Repe in der dort ansässigen Gastwirtschaft noch ein Bier trinken. Nach dem Bier war man der Ansicht, man könne auch noch einen kleinen Umweg nach Rieflinghausen in Kauf nehmen, weil es auch dort eine Kneipe gab. Aus der Ansicht wurde Ernst. Irgendwann sollte dann doch endlich die Rückreise über Mecklinghausen angetreten werden. Andere Gäste warnten jedoch vor diesem Vorhaben, denn auf der Höhe nach Mecklinghausen würden schätzungsweise anderthalb Meter Schnee liegen.

Da man aber die Meinung vertrat, man habe ein allradgetriebenes Fahrzeug, mit welchem man schon zum Ziel durch käme, nahm man diese Warnungen nicht für bare Münze.

So näherte man sich der Anhöhe und die Zaunpfähle am Wegesrand waren nicht mehr zu erkennen. Nach dem Motto, keine Zaunpfähle - keine Orientierung fuhr man sich in Folge trotz Allrad fest. Nun machte sich im Schnellgestöber eine gewisse Unruhe breit, da man keine Lösung fand, dass Fahrzeug frei zu bekommen. Diese offenbar ungemütliche Lage führte dazu, dass ein Mitglied dieser Runde sich einer höheren Gewalt zuwandte und erst einmal zum ernsthaften Gebet in der nächsten Waldung auf die Knie fiel. Von eben dieser Person fielen auch die heute noch bekannten Worte: "Wir kommen hier nie wieder weg!!!"

Dennoch gab es eine Lösung. So begaben  sich zwei der Mitreisenden auf den Weg nach Rieflinghausen zurück, um nach "Schlepphilfe" zu suchen, zumal man schon an die 2 Stunden festsaß. Der Fußmarsch hatte Erfolg in der Art, das einige Zaunpfähle wieder gefunden wurden. Damit war auch der Straßenverlauf wieder klar. Mit frischem Mut ließ man das Wasser aus dem Tank des TLF. Dadurch wurde der Magirus leichter und kam wieder frei. Nach dem eine mehrere Meter hohe Böschung hinunter gesaust wurde, konnte die Fahrt doch noch nach Grevenbrück zu einem guten Ende fortgesetzt werden.

Die sprichwörtliche Robustheit dieser Fahrzeuge konnte sehr schnell unter Beweis gestellt werden, als der Magirus im Frühjahr 1968 unentwegt 9 Tage im Einsatz bei den Waldbränden auf der Kuhhelle in Meggen eingesetzt war. Während dieses Dauereinsatzes blieb der Schalthebel des Nebengetriebes, über welches die Pumpe im Heck zugeschaltet werden kann, auf der Stecke, sprich, - er war kurzerhand abgebrochen.

Aber man wusste sich Rat. Nach dem Motto, wo ein Waldbrand ist, ist auch Holz, fand sich ein geeigneter Holzknüppel, der bis zur Instandsetzung des originalen Schalthebels Ersatzdienst leisten musste und die restliche Einsatzzeit überdauerte.

Erwähnenswert ist noch, dass während der trockenen Sommerzeiten die Burg Bilstein, das Josef-Gockeln-Haus in Rahrbach und andere Institutionen im Amt über das TLF. mit Gebrauchswasser versorgt wurden.

Ab 1967 war der Magirus für einige Zeit der einzige "Tankwagen" im Amt Bilstein. Somit musste das Fahrzeug im gesamten Amtsgebiet häufig bei Einsätzen aushelfen.

Durch den technischen Fortschritt erhielt der Eckhauber bald ein Funkgeät eingebaut.

Ein Runderlass des Innenministeriums vom 16. Juni des Jahres 1978 sah in der Konsequenz eine Dachbeschriftung in Form des Kennzeichens vor. Sinn war, dass man die mit Funk ausgestatteten Fahrzeuge aus der Luft erkennen sollte, um mit ihnen im Ernstfall Kontakt aufnehmen und ggf. leiten zu können. Jene Beschriftung sah bei "roten" Fahrzeugen eine weiße Schrift vor. Und so kam erst im laufe des Jahres 1978 das Kennzeichen "OE-8010" auf das Dach.

Analog dazu bekam das Fahrzeug im Jahre 1979 die weißen Kotflügel verpasst.

Im Jahre 1985 wurde der "Deutsche Bulle" aus dem Katastrophenschutz herausgenommen und durch ein LF16 TS auf Mercedes Basis ersetzt.

Ab diesem Zeitpunkt wurde das Fahrzeug von der Stadt Lennestadt übernommen und das Tanklöschfahrzeug verrichtete weiterhin zuverlässig seinen Dienst bei der Löschgruppe Grevenbrück unter neuem Kennzeichen (OE-2515).  

In diesem Zeitraum wurden dem Fahrzeug auch die weißlackierten Kotflügel zu teil, die bei der Feuerwehr Grevenbrück weniger beliebt waren.

Auch sind eigentlich nur zwei Pannen bekannt. Bei einem Flächenbrand am Hirtenbergumsetzer platzte auf der Anhöhe ein Öldruckschlauch und auf einer Katastrophenschutzfahrt in die Eifel streikte beim schalten ein Druckzylinder der Kupplung, der nach wenigen Kilometern des Abschleppens in einer kleinen landwirtschaftlichen Werkstatt erneuert werden konnte.

In 1994 wurde der Magirus dann nach 32 Dienstjahren ausgemustert.

Er wäre längst abgeschafft worden, aber der Wiederstand in der Löschgruppe veranlasste den Löschgruppenführer, ein Kaufgesuch bei der Stadt Lennestadt zu stellen, welchem auch entsprochen wurde.

Darauf hin wurde das Fahrzeug erst einmal längerfristig in der Sauerlandkaserne in Oedingen untergestellt, ohne das mit ihm etwas nennenswertes passierte.

Als dann der allmähliche Verfall des Eckhaubers einsetzte, entschloss man sich, das TLF 16/25 wieder in den Urzustand zurück zu restaurieren. Die ersten Schritte begannen im Oktober 1999 mit Telefonaten zwecks Ersatzteilbeschaffung für das indes 37 Jahre alte Fahrzeug.

 

 

Ab April 2000 begann die eigentliche Restauration des Magirus.

Zwischenzeitlich wurde das TLF wieder in dem Gerätehaus Grevenbrück untergestellt, da der Weg nach Oedingen doch recht umständlich war. Dennoch musste das Fahrzeug dann im April 2001 wieder in die Kaserne zurück, weil in Grevenbrück der Platz für eine Neuanschaffung benötigt wurde. Doch es wurde nach Alternativen Ausschau gehalten. So wurde bald ein Platz bei dem Vereinsmitglied Rolf Quinke im Heimweg in Grevenbrück gefunden. Danach zog der Magirus noch einmal zum Bauernhof Sternberg um.

Während dieses Umzugmarathons wurden zahlreiche Arbeiten an dem Magirus ausgeführt. Dazu zählen unter anderem: der Pumpenstand und die Bremsen wurden überholt, Schweißarbeiten getätigt, das Fahrgestell gereinigt und die Karosserie zur Lackierung vorbereitet.

Zufällig ergab sich die Möglichkeit, einen Magirus Eckhauber aus einer Nachbargemeinde, der ebenfalls abgemeldet war und zum Verkauf stand, auszuschlachten. Durch diesen glücklichen Umstand verbesserte sich der Zustand des hauseigenen Magirus immens.

In der ersten Jahreshälfte 2003 wurden noch letzte Restaurierungsarbeiten getätigt, bevor der Magirus am 16. Juli 2003 nach circa 730 Arbeitsstunden dem TÜV in Altenhundem vorgeführt wurde. Hier erfreute sich das Fahrzeug großer Beliebtheit und so wurde der Magirus "ohne erkennbare Mängel" wieder für den Verkehr abgenommen. Anschließend wurde das TLF bei der Kreisverwaltung in Olpe mit einem Historischen Kennzeichen zugelassen. Ab dem Tag ist der Magirus mit dem Kennzeichen OE-M801H im Straßenverkehr unterwegs.

Auf dem Sommerfest der Löschgruppe Grevenbrück im August 2003 konnte der Magirus dann endlich der heimischen Bevölkerung zur Schau gestellt werden.

Kurz darauf stellte der Abriss der Kurzenacker Halle, in der das TLF nun Unterkunft gefunden hatte, den Verein vor ein altes neues Problem. Es musste wieder einmal eine Unterkunft gefunden werden. Daraufhin bot sich eine Gelegenheit, vorübergehend bei der Familie Brinkschulte in der Kracht unterzukommen. Später bezog das Fahrzeug dann die neue Bleibe bei der ehemaligen Firma Duwe in Trockenbrück, heute Firma Brill.

Im Jahr 2004 war es wieder an der Zeit, Erhaltungsmaßnahmen am Tankwagen auszuführen.

     

>>> Seitenanfang <<<